Augenzeugenberichte von Taliban Massakern in Yakaolang
Von RAWA-Reportern, im Juni 2001
Am 9. Januar 2001 wurden in Yakaolang ungefaehr 300 Menschen
ohne grosses Aufsehen der Regierungen und Medien der Welt durch
Taliban ermordet. In einer Situation, in der unser Land von
regionalen und globalen Maechten politisch und wirtschaftlich
belagert ist, ist die Stimme unserer Nation in den Klauen der
Fudnamentalisten und ihrer auslaendischen Helfer gefangen und
verhallt ungehoert. RAWA, die sich als treuer Verbuendeter der
Belange des afghanischen Volkes und insbesondere der
afghanischen Frauen betrachtet, haelt es fuer ihre
revolutionaere Pflicht, die Blockade der Stille zu durchbrechen,
die von den Fundamentalisten und ihrer auslaendischen
Verbuendeten errichtet wurde, damit die Stimme unseres
unterdrueckten Volkes in jeder noch so entferntesten Ecke der
Welt gehoert wird.
Die von RAWA interviewten Augenzeugen waren waehrend des Krieges
Gefangene der Taliban, Araber und Pakistanis, sie erinnern sich
genau, wie die folgenden Berichte zeigen:
"Sufi Gardizi, der militarische Kommandanteur und Repraesentant
der Taliban, ist ein sehr gestoerter Mann, fanatisch und
besessen. Am Tag vor dem Massaker von Yakaolang stachelte Sufi
Gurdizi eine Unstimmigkeit zwischen den Volksgruppen der Sadat
und der Hazara an. Er suchte und fand Verbuendete bei Khalqis,
Purchamis (Khaliq und Parcham waren zwei Gruppen der PDPA, einer
Marionetten-Partei Russlands) und Nasries (Mitglieder einer pro-
iranischen Partei namens Nasr), die die Ausfuehrung seine
Befehle erzwungen haben, wie beispielsweise Gulam Ali, General
Hayat Ullah Khalqi, Scheikh Raza Saeedi, Syed Jawad, Syed
Abdullah und andere mehr. Einen Monat vor der Tragoedie von
Yakaolang gab es ein Geruecht, demzufolge Karim Khalili sich auf
einen Angriff auf die Taliban vorbereitete. Taliban und Jawadi
(im Namen der Nasries) versicherten die Menschen, das Yakaolang
auf der Grundlage der Vereinbarung zwischen Taliban und Kahalili
im Souf-Tal nicht angegriffen werden wuerde. Mitte Dezember
begannen die Truppen der Khalili, sich von der Gegend um das
Suof Tal in Richtung Bameyan zu bewegen. Sufi Gardizi, sein
Assistent Niaz Muhammad und General Khadim Khalqi bereiteten
sich auf die moeglieche Attacke seitens Khalilis vor.
Der erste Zusammenstoss ereignete sich am Gum Aab. General
Khadim und Hayat (Khalqi) verloren die Schlacht gegen Khalili,
aber die Kaempfe gingen weiter und bewegten sich auf Yakaolang
zu. Nach einigen Zusammenstoessen fielen Truppen Khalilis am 2.
Janua in Yakaolang ein. Sechs Tage spaeter versammelten Khalili
und Konsorten die Menschen aus mehrereren Doerfern, und ein Mann
namens Khuda Dad Urfani, der sich als Wohlfahrtsminister der
Regierung Rabbani ausgab, hielt eine Rede, in der er sagte: "Wir
werden anders handeln, als in der Vergangenheit. Wir "verkaufen
keine Laeuse": (Kaempfer von Hezb-e-Wahdat wurden eingesetzt, um
in von ihnen kontrollierten Gebieten Strassen zu blockieren und
sie zwangenPassanten, ihnen zu hohen Preisen ihre Laeuse
abzukaufen !!!!!), wir werden nicht den Todestanz auffuehren
(eines der brutalen Verbrechen , die das Hezb-e-Wahdat
verbrochen hat, war, ihren Opfern die Koepfe abzuhacken, sie in
kochendes Oel zu schmeissen, um den Blutstrom zu stoppen, um
sich an den letzten Zuckungen der Opfer zu weiden, bis sie
starben. Sie nannten dies "Todestanz"). Wir werden kein Opium an
die Frontsoldaten verkaufen. Wir haben von diesen Geschehnissen
in Payam-e-Zan gelesen, und wieder einmal wir schaemen uns,
diese Geschehnisse im Buch der Geschichte aufzuzeichnen.
Am 7. Januar begannen die Taliban ihre Gegenangriffe in Richtung
der Unterprovinz und nach zwei Kriegstagen fluechteten die
bewaffneten Maenner von Khalili, und das Gebiet um Yakaolang
fiel wieder unter die Herrschaft der Taliban.
Am 9. Januar gaben die Taliban das Zentrum der Unterprovinz und
Dra Ali auf, wozu die folgenden Doerfer gehoeren: Bugandak,
Nazar Shah, Qala Shah Nang, Mandeek, Gubandi, Kushak, Akhundan,
Dahan Shorab, Sar-e-Asyab, Khata Khana und Bedmishkin. Die
Araber und Pakistanis waren dafuer verantwortlich, Haus fuer
Haus zu durchsuchen. Ueber dem ganzen Gebiet hing eine
grauenvolle und verschuechterte Stimmung. Frauen und Kinder
weinten und klagten lautstark. Blut floss in die Augen junger
und alter Maenner, als ihre Haende mit ihren Turbanen hinter
ihrem Ruecken gefesselt wurden. Es war kweiner da, der den
unschuldigen und ahnungslosen Menschen zu Hilfe kommen konnte.
Khalili war entkommen und die Menschen mit den leeren Haenden
erwarteten die Bestrafungen durch die Taliban. Einigen wenigen
Menschen war es gelungen, ihre Familien in die naheliegenden
Berge in Sicherheit zu bringen. Das Dekret des Mullah Omar und
der Araber lautete : "Koepft alle Maenner, die aelter als 12
Jahre sind, lasst das den Sadat und Hazara-Ueberlebenden von
Yakaolang eine Lehre sein". Das Kommando zum Massaker wrude
innerhalb von drei Tagen ausgefuehrt. Sofort nach der Festnahme
wurden den Menschen die Haende auf dem Ruecken gefesselt und sie
wurden unter den wachsamen Augen der Araber und Pakistanis in
die Subprovinz abtransportiert.
Massengraeber im Dorf Besmishkin, wo die Opfer begraben sind.
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Der Ort der Massen-Hinrichtungen war hinter dem Oxfam-Gebaude
(Oxfam ist eine in England wohlbekannte und gut unterstuetzte
Wohltaetigkeits-Organisation, Anmerkung des Uebersetzers), einem
Krankenhaus nahe bei Shor Aab (die Rueckseite des Hauses von
Syed Hasan Karimi). Die Opfer des grauenvollen Verbrechens
wurden in einer Reihe aufgestellt und dann wurde auf sie
geschossen. Brueder sahen ihre Brueder sterben, Onkels sahen
ihre Neffen sterben, die wussten, dass auch sie im naechsten
Moment erschossen werden wuerden.
Syed Hamid Ullah, Muhammad Bakhsh, Haji Gulam Hasain und Syed
Muhammad (Augenzeuge des Massakers von Yakaolang) haben dieses
Schlachthaus wie durch ein unglaubliches Wunder ueberlebt. Sie
haben die Morde ihrer Angehoerigen durch die Taliban gesehen.
Der Lehrer Syed Habib Ullah, der in den Faengen der Taliban
gefangen war, erinnert sich:
"Ich und zwoelf andere Maenner waren die Beute der Taliban. Sie
haben uns die Haende mit Seilen hinter dem Ruecken gefesselt und
uns in Richtung der Subprovinz getrieben. Unsere Bewacher waren
Araber und Pakistanis. Als wir den Fluss erreicht hatten, haben
sie uns verboten, unsere Schuhe auszuziehen. Es war bitterkalt,
und es schneite. Nachdem wir den Fluss ueberquert hatten, wurden
unsere Kleidung und unsere Beine zu Eis. Sie haben uns
verboten , miteinander zu sprechen. Vom Dorf bis zum Zentrum der
Subprovinz war es etwa eine Stunde Weg. Waehrend des ganzen
Weges haben die Araber und Pakistanis uns weiterhin geschlagen
und beschimpft und erniedrigt.
Sie haben uns in der Naehe des OPS-Gebaeudes gefangengehalten.
Ein Mann namens Adul Hameed, er war ein Tajid war und einer
meiner Schueler, setzte sich fuer mich und Syed Sharaf ein. Er
ging zu den Taliban und sagte ihnen, dass wir zur Nation der
Tajik gehoerten und wahre Anhaenger des letzten Propheten
Muhammad (PBUH) seien. Sie haben uns drei von den anderen zwoelf
Maennern getrennt und haben die anderen gezwungen, sich an der
Vorderseite des Oxfam-Gebaeudes mit dem Gesicht zur Wand
aufzustellen. An diesem Massenmord haben mehr Pakistanis und
Araber mitgemacht, als Taliban.
Dann brach ein Streit zwischen ihnen aus, jeder von ihnen wollte
mit den eigenen Haenden toeten und dadurch den Segen erreichen ,
ein Ghazi zu werden (gemaess islamischer Tradition wird eine
Person, die einen Feind des Islam toetet, ein Ghazi , aber in
Afghanistan gilt das auch fuer jeden , der auslaendische
Aggressoren bekaempft, Anm. des Uebersetzers).
In der Zwischenzeit haben sie noch andere Maenner an die Wand
gezwungen, unter ihnen den Lehrer Syed Amin, zielten auf ihre
Gesichter und Herzen und haben sie abwechselnd mit Kalashnikovs
erschossen.
Wir haben gesehen, dass manche sehr qualvoll gestorben sind.
Unter ihnen waren drei halbtote Maenner, die um Hilfe geschrien
haben.
Die grauenvollen Stunden und der Alptraum dieses Tages hat eine
tiefe Wunde in unsere Herzen und Seelen gerissen, die wir nie
vergessen werden, bis zum Ende unserer Tage wird diese Wunde
offen bleiben.
Dreien von uns wurde erlaubt, nach Hause zu gehen. Am naechsten
Tag haben sie meinen Bruder vor den Augen seiner Frau und seiner
Kinder ermordet, als er sein Untergrund-Versteck verliess und
versuchte zu fliehen.
Drei Dorfaeltesten, denen die Flucht aus dem Schlachthaus der
Taliban gelungen ist, erzaehlen ihre Geschichte wie folgt:
"Wir wurden zur Hinterseite des Oxfam-Gebaeudes (eine nicht von
der britischen Regierung getragenen, englischen
Wohltaetigkeitseinrichtung, Anmerkung des Uebersetzers)
gebracht. Sie haben drei von uns von den anderen 24 Maennern
getrennt. Die uebrigen Maenner haben sie sofort erschossen. Die
Kugeln schlugen in die Koepfe und Gesichter unserer Soehne,
Neffen, Onkel und anderer Angehoeriger ein. Ihre
blutueberstroemten Leichen bedeckten den Boden.
Nach einer Viertelstunde, waherend sie uns pruegelten und uns
erniedrigten, schleiften sie uns zu den Leichen unserer
Angehoerigen. Einfach nur der Anblick hat uns fast das
Bewusstsein geraubt.
Aber wir mussten uns zusammenreissen. Die Flueche und
Todesdrohungen der Taliban gingen weiter. Unsere Haende und
Fuesse zittertn im hilflosen Wunsch, unseren Angehoerigenn zu
helfen. Auf der Vorderseite des Grundstueckes stand ein Fahrzeug
bereit, um die toten und halbtoten Menschen abzutransportieren.
Fortwaehrende Schlaege mit dem Gewehrschaft verschlimmerten
unsere Schmerzen. Wie konnte ich den halbtoten Menschen helfen?
Mit vorgehaltenem Gewehr zwangen sie uns dazu, die Toten und
Halbtoten wie Stoecke und Steine auf die Fahrzeuge zu werfen.
Mithilfe der verlfuchten, verfaulten Taliban haben wir sie nach
Shor Aab gebracht und wieder bei vorgehaltenem Gewehr unter
fortgesetzten Schlaegen das Fahrzeug entladen.
Wenn wir haetten helfen koennen, dann haetten einige Menschen
ueberleben koennen, aber die wilden Sklaven haben uns daran
gehindert, verwundeten Menschen zu helfen. Am Ende der "Arbeit"
waren wir erschoepft und bekamen Erlaubnis, ins Dorf zu gehen.
Als wir in die Naehe des Dorfes kamen, hoerten wir das Weinen
und Jammern von Frauen und Kindern. Wir fragten eine alte Dame,
was los sei? Sie antwortete: "Sie haben alle Maenner
abtransportiert und alles gepluendert, was sie finden konnten".
"Vier Tage spaeter haben uns die Taliban erlaubt, die Maertyrer
zu begraben. In unserem Dorf und in den umliegenden Doerfern gab
es keine Maenner, die uns haetten helfen koennen, die Toten zu
tragen und zu beerdigen."
Das Dorf Bedmishkin hatte 34 Maertyrer, die von diesen drei
Maennern wiedererkannt worden waren, und die innerhalb von drei
Tagen zum Schrein getragen wurden. "Es vergingen noch zwei Tage,
bis wir mit der Hilfe der Maenner der Doerfer Gird Baid und Khum
Astana ein Massengrab fuer die Toten vorbereitet hatten.
Die Bewohner des Dorfes koennen den brennenden Schmerz dieses
Tages niemals vergesssen.
Fuer alte Muetter, trauernde Frauen und unglueckliche Kinder,
die die Leichen ihrer Vaeter, Ehemaenner und Soehne, die durch
die brutalen Haende der Taliban und ihrer arabischen und
pakistanischen Helfershelfern zu Maertyrern gemacht wurden
dafuer, dass sie angeblich Hazara oder Syed seien, muss dieser
Tag der ungluecklichste Tag ihres Lebens sein, wahrscheinlich
sogar das Ende ihres Lebens. 165 andere Maertyrer erlitten
dasselbe Schicksal, und die Ueberlebenden trauern.
Nach diesem grauenvollen und ehrlosen Vorfall haben die Taliban
die Stadt uebernommen.
Khalili, Fuehrer der Hezb-e-Whadat (Einheitspartei), dieser
beruechtigte Scherge des iranischen Regimes, kam, um an den
Graebern der Toten zu beten.
Jedermann, einschliesslich alter Maenner und Frauen des Dorfes
kamen am selben Tag auf dem Friedhof an.
Nachdem sie Khalili dort vorfanden, fingen sie alle an zu rufen
und zu weinen "Warum ist dieser Mann zum Friedhof gekommen, wo
er doch seine Hand bei der Toetung unserer Soehne im Spiel
hatte?".
Eines Nachts, vor dem Massenmord der Menschen von Yakaolang im
Gebiet Dah Surk, hatte Aziz Topchi einen naechtlichen Angriff
auf die Subprovinz vorgeschlagen, weil die Taliban diese Gegend
nicht gut kannten.
Khalili hatte ihm jedoch geantwortet: "Lass die Taliban
einfallen und alle toeten, damit die Leute in der Zukunft gegen
die Taliban kaempfen."
Hieran kann man den Charakter dieses Verraeters erkennen und
seine "Gefuehle fuer das Volk", solche Saetze enthuellen ihn,
auch wenn er sich als Fuehrer des Volkes bezeichnet.
"Nach dem Massaker an den unschuldigen Menschen unseres Dorfes
kam das Pluendern und Ausrauben der Menschen.
Taliban haben die Menschen genauso ausgepluendert wie die
Truppen von Khalili vor und nach dem Massaker.
Die Augenzeugen berichten, dass bewaffnete Maenner beider
Fluegel Haeuser durchsucht haben und Geld, Schmuck,
Cassettenrecorder und andere wertvolle Gegenstaende mitnahmen.
Aus dem Hause von Syed Raheem "Khum Astana" wurden
beispielsweise 70 Millionen Afghani in bar gestohlen ; 30
Millionen Afghani in bar aus dem Hause von Syed Asad Ullah aus
dem Dorf "Bedmishkin" und ungefaehr 1.600.000 Afghani wurde der
Frau von Syed Ghazfar gestohlen.
Neben dem Pluendern und Rauben fuehrten die Taliban und Araber
ihre Greueltaten weiter, indem sie Frauen und Maedchen
vergewaltigten. Die Schaendung der Ehre von Sultana's Tochter
ist die Spitze des Eisberges.
Nach all diesen Greueln beschlossen die alten Maenner und
Frauen, die Gegend zu verlassen.
Die traurige und schreckliche Bericht ihrer Reise im
bitterkalten Wetter, in dem sie zu Fuss von einem Berg zum
anderen stiegen ist etwas, das die Augenzeugen mit Traenen in
den Augen beschrieben haben.
Es reicht sich vorzustellen , dass waherend vergangener Winter
Menschen sechs Monate lang ihre Haeuser nicht verlassen haben
und nicht einmal mit dem Gedanken gespielt haben, sich
ausserhalb der Gegend zu bewegen, so bitterkalt waren die
Winter.
Die Tatsache, dass die Welt nichts (oder laengst nicht genug )
ueber die Greueltaten der Taliban und ueber das Massaker von
Yakalang gehoert hat erlaubt es den Taliban vorzutaeuschen, dass
diese Greueltaten nicht geschehen sind.
Wenn wir dem Interview von Radio Shariat mit den zwei Taliban
namens Taqadus und Tawab Glauben schenken, die selber ethnische
Hazara sind, dann koennen wir herausfinden, wie sie alles
abstreiten, in dem sie behaupten "die Feinde der islamischen
Emirate wollen aus dem Vorfall Yakaolang eine wichtige Sache
machen. Da sgab es keine Morde vorgefallen, und wir bestreiten
alles. Die Leute in Zakaolang sollten sich besser klarmachen,
dass die islamischen Emirate im Recht sind"..
Hinter diesen TaTen lauert eine einziger Grund: ethnische
Saeuberung, Voelkermord.
Die Menschen von Shamali (noerdliche Gebiete) und anderen
Gegenden sind ebenfalls Opfer solcher Vorfaelle. Dass Massaker
von Yakaolang ist nicht das Ende der von den Taliban ergriffenen
Massnahmen. Ungluecklicherweise wird unser Volk noch schlimmere
Tage zu erwarten haben, mit noch mehr dieser grausamen und
unmenschlichen Aktionen, die von Fundamentalisten und ihren
auslaendischen Herren befohlen werden.
Eine Hazara Frau "M" aus dem Dorf Bedmishkin erzaehlt ihre
traurige Geschichte:
"Wir waren zuhause, als die Taliban hereinstuermten und
anfingen, das gesamte Haus zu durchsuchen. Ich bettelte um Gnade
und zeigte ihnen den Heiligen Koran, aber sie schmissen den
Koran in den Ofen. Sie haben all unser Eigentum zerstoert, auch
die Lebensmittel, und haben alle Wertsachen mitgenommen.
Mein Bruder rannte weg, als er hoerte, dass die Taliban ueberall
patroullierten. Er hatte sich hinter einer Mauer versteckt, aber
er wurde von den Taliban entdeckt und auf der Stelle ermordet.
Nach zwei Tagen befahlen uns die Taliban, meinen Bruder zu
holen, aber wir fanden nur seine Leiche, die sehr schlimm
zugerichtet war. Durch den Frost war seine Leiche am Boden
festgefroren.
Wir hatten uns angewoehnt, unsere Kinder mit Steppdecken
zuzudecken, wenn wir Gewehrfeuer hoerten, nur, um ihnen
psychologischen Schutz gegen Schussgeraeusche zu geben, und
jetzt haben sich die Kinder daran gewoehnt, so dass sie sich
sogar hier in Pakistan in eine Steppdecke wickeln, sobald sie
irgendwelchen Laerm hoeren.
Yaha, der Cousin meiner Mutter, ein huebscher Junger Mann, wurde
auf dieselbe Weise von den Taliban ermordet.
Taliban kamen in sein Haus , fuehrten ihn hinaus und ermordeten
ihn direkt vor der Haustuer. Das geschah frueh am Morgen und
seine Leiche lag immer noch da, bis seine Frau und seine fuenf
Kinder spaet in der Nacht herauskamen, um ihren Vater zu suchen.
Sein Koerper war von mehreren Kugeln durchsaeht, was darauf
hindeutete , dass er der Folter der Taliban widerstanden hatte.
Der Schnee um seine Leiche herum war blutrot. Als seine Frau und
seine Kinder versuchten, seine Leiche nach Hause zu bringen,
wurden sie von den Taliban daran gehindert.
Seine Frau und zwei aeltere Frauen bettelten die Taliban an, den
Leichnam freizugeben, aber die Taliban ignorierten ihr Flehen..
Die Taliban haben Yahya's Frau so brutal zusammengeschlagen,
dass sie an den Folgen der Schlaege fast gestorben waere. Spaet
in der Nacht, als die Taliban die Gegend verlassen hatten, haben
Yahya's Angehoerige, alles Frauen, seine Leiche nach Hause
gebracht und ihn zuhause begraben.
"NB", Witwe eines Opfers (WALI) beschreibt:
"Taliban stuermten in unser Haus und haben alles angezuendet.
Mein Mann rannte weg und sagte mir, dass er sich Monat lang
verstecken wuerde.
Eine Stunde spaeter hoerte ich Gewehrfeuer in der Naehe meines
Hauses, aber ich habe nicht weiter darauf geachtet weil ich
dachte, es sei wieder mal nur eine Schiesserei.
Zwei Tage spaeter klopfte ein siebenjaehriger Junge an unserer
Tuer und sagte uns, dass Onkel Wali von den Taliban ermordet
worden war. Ich konnte es nicht glauben, weil ich dachte, dass
Wali in Kabul war.
Der Junge sagte, Wali's Leiche liegt an der hinteren Mauer.
Ich konnte das nicht ertragen.
Taliban hatten ihn an der hinteren Mauer erschossen, waehrend er
versucht hatte zu fliehen.
Seine Augen und sein Mund waren weit offen und durch den Frost
waren seine Zaehne blau verfaerbt.
Die grausamen Taliban haben seine Taschen durchsucht und alle
seine Habseligkeiten gestohlen.
Sein Blut war getrocknet und dadurch klebte er am Boden fest.
Ich war alleine und konnte seine Leiche nicht wegtragen, und es
war niemand da, der mir haette helfen koennen. Wali's Leiche
blieb da einen ganzen Tag lang liegen, bis ich zwei Maenner
finden konnte, die ihn ins Haus trugen, und ich habe ihn selbst
begraben.
Wir sind eine Woche geblieben, dann bin ich mit einigen anderen
Familien nach Pakistan geflohen.
Mein sechs Monate altes Baby hat auf dem Weg eine schlimme
Erkaeltung und Husten bekommen und ist gestorben, bevor wir
Pakistan erreichen konnten. Die Qual meines Mannes und meines
Babys brennt immer noch in meinem Herzen und ich erinnere mich
an jeden einzelnen Moment in diesen grauenvollen Tagen.
Mein Onkel wurde von den Taliban festgenommen, er wurde
beschuldigt, eine Waffe versteckt zu haben.
Er war ein armer Bauer, der keinerlei Verbindungen zu
irgendwelchen bewaffneten Trupen hatte. Die Taliban haben ihn
aus seinem Haus gezerrt und vor den Augen seiner Angehoerigen
erschossen.
Seine Mutter und seine Frau haben die Taliban angefleht, ihnen
zu erlauben, ihn zu begraben, aber die Taliban haben niemanden
in seine Naehe gelassen.
Seine Mutter hat drei Tage lang seine Leiche bewacht, damit die
wilden Hunde nicht sie fressen konnten.
Als die Taliban abzogen, haben wir ihn beerdigt.
Unsere Nachbarin, deren Mann vor vielen Jahren ermordet worden
war, lebte allein mit ihren Kindern. Als die Taliban das Dorf
verliessen, um andere Doerfer zu patroullieren und dort junge
Menschen zu morden, ging sie mit ihrem juengsten Sohn in die
Berge und befahl ihren anderen Soehnen, im Keller zu bleiben.
Als sie nach einigen Tagen zurueckkehrte, war ihr aeltester Sohn
erfroren. Mehrere Tage lang behielt sie seine Leiche im Haus,
weil die Taliban es den Menschen nicht erlaubten, ihre Toten zu
begraben."
Eine andere Witwe berichtet:
"Wir waren daheim, als die Taliban in unser Haus einbrachen und
es durchsuchten.
Sie fragten nach den Maennern und wir sagten ihnen, dass alle
Maenner von den Taliban gefangen genommen worden waren und wir
seitdem nichts von ihnen gehoert haetten.
Sie haben 10.000.000 Afghanis (ungefaehr 160 $) aus einem Haus
gestohlen und 800.000.000 Afghanis aus einem anderen Haus.
Die Taliban haben meinen Mann, meinen Schwager und den Mann
meiner Schwester ermordet, alles junge Maenner.
Aus Sicherheitsgruenden mussten wir einige Namen in diesem
Bericht aendern oder auslassen.
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